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So schmeckt der Sommer: Wie die Traube reift
Ich steh in der Reihe. Der Boden ist heiß, fast spürt man’s durch die Schuhsohlen.
Die Trauben hängen schwer. Gelb-grün, manche schon mit einem roten Schimmer.
Ich nehm eine Beere, zerdrück sie zwischen den Fingern. Süß. Fast reif.
Der August ist die Zeit, in der man’s spürt: es geht los.
„Die Reben wachsen nicht schneller, wenn man sie antreibt. Sie reifen, wenn sie so weit sind.“
Was gerade im Weingarten passiert
Anfang August verändert sich die Traube von Grund auf. Die Beeren werden weich, die Farbe schlägt um — beim Grünen Veltliner ins Goldgelbe, beim Zweigelt ins tiefe Rot. Die Winzer nennen diesen Moment „Reifebeginn“. Von da an läuft ein stiller Wettlauf: Die Sonne treibt den Zuckergehalt nach oben, gleichzeitig baut die Beere ihre Säure ab. Erst wenn beides im richtigen Verhältnis steht, schmeckt der Wein später so, wie er soll — nicht zu süß, nicht zu scharf, sondern rund.
Genau darum ist der August für uns keine ruhige Zeit. Wir laufen durch die Reihen, kosten Beeren, schauen auf den Himmel, warten. Reife lässt sich nicht erzwingen. Man kann sie nur begleiten.
Ein Sommer, der uns fordert
Heuer ist es anders. Wir hatten wochenlang kaum Regen, dazu Hitze, wie ich sie in dieser Länge selten erlebt hab.
Was ich gemacht hab: Ich hab Stroh zwischen die Rebzeilen gelegt. Für mich ist das die einzige sinnvolle Maßnahme, die wir da setzen können — es beschattet den Boden, senkt die Bodentemperatur und hält die Verdunstung möglichst gering.
Ganz ehrlich gesagt: Heuer war es so extrem trocken, dass man damit auch an seine Grenzen stößt. Ganz aufhalten lässt sich die Trockenheit nicht.
Trotzdem: Die Trauben sind heuer kleiner, die Schale dicker. Das bedeutet weniger Menge. Aber es bedeutet nicht weniger gute Weine.
DAS WEINJAHR 2026 IN ZAHLEN
- Österreichweit rechnen Winzer mit rund einem Drittel weniger Ernte als in einem Durchschnittsjahr
- Die Reben liegen heuer rund 12 Tage früher in der Reife als üblich
- Die Lese hat deshalb schon Mitte August begonnen — normalerweise startet sie erst Anfang September
- Auch das Weinviertel zählt neben Wachau, Kamptal, Krems und Carnuntum zu den betroffenen Regionen
Was viele nicht wissen: Ein trockenes Jahr ist nicht automatisch ein schlechtes Weinjahr. Wenn die Rebe weniger Wasser bekommt, konzentriert sie sich auf weniger, dafür intensivere Beeren. Weniger Menge im Fass — aber oft mehr Ausdruck im Glas. Das ist kein Trost, den man sich schönredet. Das ist einfach, wie Wein funktioniert.
„Weniger Menge heißt nicht weniger Qualität.
Manchmal ist es genau umgekehrt.“
Jetzt beginnt die schönste Zeit im Weinjahr
Die Lese ist für mich wie Weihnachten. Man wartet das ganze Jahr drauf, und dann geht auf einmal alles schnell.
Frühmorgens raus, solang’s noch kühl ist. Ein Freund kommt mit seiner Lesemaschine durch die Reihen, die Trauben fallen direkt in den Lesewagen. Ich hol den Wagen mit dem Traktor ab und bring die Trauben rüber in die Kellergasse, ins Presshaus.
Dort geht’s dann schnell weiter: rein in die Presse, und der frische Traubensaft wird gleich weiterverarbeitet — mit modernster Technologie und so schonend wie möglich. Der Geruch von frisch gepressten Trauben im Presshaus — den vergisst man nicht.
Es geht zügig, es wird improvisiert, und wenn der Traktor grad dann streikt, wenn man ihn braucht, wird auch geflucht.
Aber genau das ist es, was ich an diesem Beruf liebe. Man arbeitet ein ganzes Jahr auf einen einzigen Moment hin.
Während wir auf den neuen Jahrgang warten
Der Jahrgang 2025 ist bereit und wartet auf euch — vom Weinviertel DAC bis zum Poy-Secco für die letzten warmen Abende. Und wer live dabei sein will, wenn 2026 ins Glas kommt: Wir zeigen euch die Lese auf Instagram, Reel für Reel.
Der Jungwein 2026 ist schon da
Ganz warten müsst ihr gar nicht: Unser „Erstes Vorspiel“ — heuer ein Gemischter Satz, fruchtbetont mit einer zarten Muskatnote und schön süffig — aus dem Jahrgang 2026 ist bereits im Shop erhältlich. Ein erster Vorgeschmack darauf, wie dieses besondere, trockene Jahr im Glas schmeckt.
UNSERE GESCHENKIDEEN
Drei Wege, Zeit zu schenken
Entschleunigungs-Tag
Erlebnisse
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